deen
Solistenensemble Kaleidoskop Solistenensemble Kaleidoskop © Sebastian Bolesch
09.07.2019 Di
20 Uhr

Karten 16 Euro | ermäßigt 12 Euro

Premiere

Nobodaddy is perfect

Von Georg Nussbaumer mit Solistenensemble Kaleidoskop

Odysseus, Bach und die Kunst des Verschwindens in einem fulminant-dystopischen Musiktheaterabend: In Odysseus, dem listenreichen Eroberer Trojas, erkannte die Aufklärung den ersten modernen europäischen Menschen. Das Solistenensemble Kaleidoskop spürt heutigen Spuren seiner Irrwege am ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer nach und nutzt das an den Rändern der verschwundenen Stadt entstandene Video- und Tonmaterial als Grundlage: Bachs „Kunst der Fuge“ - das kristalline Meisterwerk des Drehens und Wendens des immer gleichen Themas - wird repetiert, gespiegelt und überschrieben, mit Schuberts nach vorne preschenden Erlkönigtriolen und der nach unten ziehenden Basslinie der „Tales of brave Ulysses“ ergänzt.... Nach dem Guckkastenprinzip ist die Odyssee auf kleine und winzigste Maßstäbe geschrumpft - eine Ruinenlandschaft aus Sanitärkeramik, Archipele aus Waschbecken und Klomuscheln, durchsetzt mit Treibgut-Souvenirs. Das Meer ist verschwunden, Nobodaddy/Odysseus der Abenteuer überdrüssig und Penelope ein abgestandener Vorwand, die hypnotische Kreisbahn zu verlassen… Das Solistenensemble Kaleidoskop interpretiert die Textur der Odyssee mit sämtlichen ihm zur Verfügung stehenden Parametern. Die Instrumentenkörper sind die Schilde der Kämpfer, die Saiten die Sehnen der Bögen, die Bögen die Schwerter, die Bogenhaare das trojanische Pferd. Die Streicher*innen sind die Gefährten, die im Versmaß rudern, sie finden sich zur Kunst der Fuge und zu tableaus vivantes zusammen, singen sirenisch und verlieren sich im Spiel mit ihren Treibgutobjekten. Georg Nussbaumer, geboren 1964, lebt in Wien. Er gilt als virtuoser Gesamtkunstwerker, dessen Arbeiten sich zwischen Komposition, Installationskunst, Performance und Theater bewegen. Großformatigen szenischen Arbeiten stehen reduzierte Klanginstallationen oder auch nicht-klingende Vorgänge gegenüber, die sich immer mit Musik, ihrer Geschichte und Wirkung und schließlich mit ihrer Hervorbringung auseinandersetzen. Nussbaumer arbeitet mit hochspezialisierten Performer*innen und Musiker*innen genauso selbstverständlich wie mit Apnoetaucher*innen, einem Motorradclub oder Hundertschaften von Sänger*innen ländlicher Laienchöre. Arbeiten von großer räumlicher und zeitlicher Ausdehnung wurden u. a. realisiert von/bei: Museum Hamburger Bahnhof Berlin, Donaueschinger Musiktage, Wien Modern, Berliner Festspiele - Maerzmusik, Ring Festival Los Angeles, KunstFestSpiele Herrenhausen, Opera Dagen Rotterdam, Curitiba Brasilien, call&response, London, pèlerinages - Kunstfest Weimar, operadhoy Madrid, Teatre Shahr, Teheran, Theater Basel - Klangbasel, Unsafe&Sound, Wien, Beethovenfest Bonn. Das Solistenensemble Kaleidoskop wurde 2006 gegründet. Im Laufe der Jahre hat sich das Ensemble stetig gewandelt und immer wieder innovative Formen der Musikvermittlung erprobt. In Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus anderen Genres sucht Kaleidoskop nach neuen Aufführungsformen. Das Repertoire reicht vom Frühbarock bis zur aktuellen Musik und eigenen Musikkonzepten. Kaleidoskop arbeitet eng mit dem radialsystem in Berlin zusammen und ist zu Gast bei renommierten Festivals wie dem Kunstfest Weimar, den KunstFestSpielen Herrenhausen, dem Sydney Festival, dem Holland Festival, Wien Modern oder den Donaueschinger Musiktagen. Kaleidoskop spielt deutschlandweit und auf internationaler Ebene an führenden Häusern. Im Laufe des künstlerischen Engagements hat das Solistenensemble mit Künstler*innen wie Sasha Waltz, Sabrina Hölzer, Jennifer Walshe, Georg Nussbaumer, Laurent Chétouane, Sebastian Claren und der Band Mouse on Mars zusammengearbeitet.

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  • Inszenierung und Komposition: Georg Nussbaumer
  • Musik und Performance: Solistenensemble Kaleidoskop
  • Dramaturgie: Stefanie Prenn
  • Künstlerische Mitarbeit: Christine Schörkhuber
  • Live-Elektronik: Robert Schwarz
  • Technische Leitung: Jörg Bittner
  • Video: Markus Zucker

Credits

Ein Projekt von Solistenensemble Kaleidoskop in Kooperation mit dem radialsystem. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Solistenensemble Kaleidoskop Solistenensemble Kaleidoskop © Sebastian Bolesch

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