deen
  • 22.02.Sa
  • 23.02.So
UM:LAUT – múm plays  „Menschen am Sonntag“

UM:LAUT – múm plays „Menschen am Sonntag“

Filmkonzert

Nach fast zehn Jahren als „Impulsgeber und Begegnungsstätte für Musikschaffende, die über den Tellerrand ihrer Genres hinausschauen“ (Spex, 2017), geht die UM:LAUT-Reihe im Februar in die letzte Runde. Zum Abschluss der erfolgreichen Veranstaltungsserie, die seit 2011 fast fünfzig Künstler*innen im radialsystem präsentiert hat, geben sich noch einmal die Grenzgänger von múm die Ehre und vertonen ein Meisterwerk der deutschen Stummfilmära. Pünktlich zur Berlinale kehren die Isländer zurück auf die UM:LAUT-Bühne und laden ein letztes Mal zu zwei exklusiven Filmkonzertabenden ins radialsystem ein: Gemeinsam mit dem außergewöhnlichen Perkussionisten Samuli Kosminen liefern die múm-Gründer Gunnar Tynes und Örvar Smárason einen Live-Soundtrack zum Filmklassiker „Menschen am Sonntag“ – einem zeitlosen und lebendigen Portrait Berlins und seiner jungen Bewohner*innen zum Ende der 1920er-Jahre. Der halbdokumentarische Film von 1930 galt bereits nach seiner Entstehung als ein Meilenstein des Kinos, für das Team um Billy Wilder war er das Sprungbrett nach Hollywood. Für den Film existierte nie eine Musik, zumeist wurde das Werk bei Aufführungen mit Liedern von Marlene Dietrich untermalt. Grund genug also, dass sich die Electronica- und Post-Rock-Forscher von múm diesem Zeitdokument ein weiteres Mal am Ort seiner Entstehung widmen - und die UM:LAUT-Reihe mit einem ihrer erfolgreichsten und schönsten Projekte einen gebührenden Abschluss feiert. Verspielte Electronica, sphärische Ambient-Sounds, experimenteller Indie-Pop: „Die vielleicht originellste Band Islands“ (ByteFM), múm, wurde 1997 von Gunnar Örn Tynes und Örvar Þóreyjarson Smárason gegründet, später kamen die Zwillingsschwestern Kristín Anna und Gyða Valtýsdóttir dazu. Ihr eigenständiger Sound sowie das spielerische Experimentieren mit traditionellen, elektronischen wie unkonventionellen Instrumenten hat die Band schnell zu einem der populärsten Acts aus dem hohen Norden gemacht. In den letzten Jahren ist das einstige Quartett aus Reykjavík im offenen Kollektiv aufgegangen und lotet mit befreundeten Musiker*innen und in unberechenbar wechselnder Besetzung die Grenzen experimenteller Hörerlebnisse aus. Mit Samuli Kosminen ist bei den Konzerten im radialsystem ein Musiker mit auf der Bühne, der die Band regelmäßig auf Tour unterstützt. Er ist einer der gefragtesten und experimentierfreudigsten Perkussionist*innen und Produzent*innen Skandinaviens. Seine Live-Performances sind neben seinem virtuosen Spiel auch aufgrund seines umfangreichen Werkzeugs aus gesammelten und gefundenen Gegenständen und Instrumenten bemerkenswert. UM:LAUT ist eine Plattform für Künstler*innen und Labels, die sich verschiedener musikalischer Traditionen bedienen und doch einzigartig und frei von Genregrenzen ambitionierte Projekte realisieren. Der Fokus der von Ben Czernek und Hannes Frey kuratierten Reihe liegt dabei auf Zwischenräumen und Schnittmengen, auf der experimentellen Bandbreite von klassischer und elektronischer Instrumentierung, Komposition und Improvisation, Club und Konzertsaal. UM:LAUT fördert insbesondere den Dialog mit anderen Kunstformen – Musik als Impulsgeber*in für Film, Video, Fotografie, Installation, Tanz und Performance. Ein Experimentierfeld für Kooperationen von Künstler*innen unterschiedlicher Disziplinen. Weitere Informationen unter www.umlautlive.de.

  • 25.02.Di
Vocalconsort Berlin

Spiegelungen

Vocalconsort Berlin

Renaissance und Moderne im Dialog: Das Vocalconsort Berlin, einer der besten Kammerchöre Deutschlands, präsentiert unter der Leitung von Michael Alber ein spanisch-deutsches Programm – Werke von Orlandus Lassus und Tomás Luis de Victoria stehen zwei Uraufführungen von Iñigo Giner Miranda und Martin Wistinghausen gegenüber, die inhaltlich und musikalisch miteinander verwoben werden. In den facettenreichen Spiegelungen entstehen vielfältige Verknüpfungen zwischen Musik des 16. und 21. Jahrhunderts, zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Zeitgenoss*innen, musikalischen Sprachen und Stilen. Die Neukompositionen sind Auftragswerke des Vocalconsort Berlin. Bei den Renaissancewerken handelt es sich um Vertonungen von Bußpsalmen von Orlandus Lassus (1532-1594) und von Responsorien von Tomás Luis de Victoria (1548-1611), bei den zeitgenössischen Kompositionen um Auftragswerke an den Komponisten und Sänger Martin Wistinghausen und den Komponisten, Konzertdesigner, Musiker und Performer Iñigo Giner Miranda. Die Auftragskompositionen sollten sich mit den Renaissancewerken auseinandersetzen und gezielt darauf Bezug nehmen: Martin Wistinghausen wird einen Bußpsalm von Lassus in das Zentrum der kompositorischen Arbeit stellen, Iñigo Giner Miranda eine Komposition von Victoria. Die verschiedenen musikalischen Schreibweisen werden in Beziehung zueinander gesetzt und dialogisiert. Das Vocalconsort Berlin gilt als einer der besten und wandlungsfähigsten Kammerchöre Deutschlands. 2003 gegründet, hat das Profiensemble bewusst keine feste musikalische Leitung, sondern arbeitet projektweise mit unterschiedlichen Dirigent*innen, aber vor allem mit festen künstlerischen Partner*innen wie Daniel Reuss, Folkert Uhde und Sasha Waltz zusammen. Flexibel in Besetzung und Repertoire, überschreitet das Ensemble gern die Grenzen der klassischen Genres und Disziplinen.

  • 29.02.Sa
  • 01.03.So
THE GAP

THE GAP

Performance von Michael Rauter/ Bob’s Company

Was bedeutet Erwachsenwerden in einer Welt, in der menschliche Reife nichts anderes als Kapitulation und Verzicht zu sein scheint? Die Soloperformance „THE GAP“ des Künstlers Michael Rauter setzt sich mit der Frage nach individueller Mündigkeit in einer infantilen Welt auseinander. Das Konzept von Kindheit entstand zur Zeit und mit der Idee der Aufklärung: Um ein vernunftgeleitetes Wesen zu werden, musste der Mensch erwachsen werden. Für die renommierte amerikanische Philosophin Susan Neiman, Direktorin am Einstein Forum in Potsdam, ist das Erwachsenwerden im Sinne Kants an einen individuellen Prozess der Aufklärung gekoppelt. Neiman spricht in ihrem Buch „Why grow up?“ dabei auch von einer Lücke, einem das Leben durchziehenden Riss, den es mutig als reifer Mensch auszuhalten gilt: „Ideale der Vernunft sagen uns, wie die Welt sein sollte; die Erfahrung sagt uns, dass sie selten so ist. Erwachsenwerden verlangt, sich der Kluft zwischen beidem zu stellen, ohne eines davon aufzugeben.“ Entlang Neimans These sucht Michael Rauter in seiner Choreografie den Zustand einer produktiven Instabilität, die zwischen Innen und Außen, Erwartung und Ergebnis, Bewegung und Stillstand, Fantasie und Wirklichkeit balanciert. Die Frage nach der Kunst des Erwachsenwerdens changiert in „THE GAP“ mit dem Selbstporträt eines Menschen, der den Kontakt zur Welt durch Bewegung und Musik zu ergründen versucht. Michael Rauter, 1980 in Basel geboren, arbeitet als freischaffender Regisseur, Komponist, Performer und Cellist. Er studierte Cello und Kammermusik in Aachen und Berlin bei Hans-Christian Schweiker, Jens Peter Maintz und dem Artemis Quartett. 2006 gründete er das Solistenensemble Kaleidoskop, dessen künstlerischer Leiter er bis 2016 war. Seit 2014 entwickelte er eigene Regiearbeiten, u.a. „Kaleidoskopville“ und die Performance „Black Hole“; ab 2018 werden seine Performance- und Musiktheaterprojekte unter dem Label Bob’s Company realisiert. Rauter arbeitete u.a. mit Benjamin van Bebber, Boogaerdt/Van der Schoot, Alexander Charim, Laurent Chétouane, Aliénor Dauchez, Luigi de Angelis, Sabrina Hölzer, Susanne Kennedy, Mouse on Mars, Georg Nussbaumer, Sasha Waltz oder Ladislav Zajac zusammen. Von 2018 bis 2020 ist Rauter Künstler des Fellowship-Programms #bebeethoven, ein Projekt von Podium Esslingen zum Beethovenjahr 2020, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. In diesen drei Jahren präsentiert das Musiktheaterfestival Operadagen Rotterdam in jedem Jahr eines seiner neuen Stücke: 2018 das Musiktheater „END OF THE STORY“, 2019 die Performance „THE GAP“ und 2020 die Musiktheaterinstallation „PIXELSINFONIE“.

  • 29.02.Sa
  • 01.03.So
Lohengrin Dreams

Lohengrin Dreams

Performance von Charlotte Engelkes

„Lohengrin Dreams“, das neue Tanzstück der schwedischen Performancekünstlerin Charlotte Engelkes, erzählt mit drei Tänzer*innen, zwei Akrobaten und einer Opernsängerin die Geschichte der Elsa von Brabant, die beschuldigt wird, ihren vermissten kleinen Bruder ermordet zu haben und im letzten Moment von einem Helden – träumerisch-leise auf einem Schwan dahersegelnd – gerettet wird. Ihr wird Liebe und Eheglück versprochen, wenn sie sich nur der Frage enthalten kann, wer dieser Held eigentlich sei. Schafft Elsa das? Charlotte Engelkes und ihr Ensemble jonglieren mit Glaube und Zweifel, Traum und Wirklichkeit zu neu komponierter Musik des Sounddesigners Willy Bopp nach Richard Wagners Oper „Lohengrin“. Sasha Waltz & Guests bringt „Lohengrin Dreams“ zur Deutschlandpremiere nach Berlin. Engelkes’ Solo „Miss Very Wagner“, 2006 im radialsystem zu Gast, widmete sich erstmals berühmten Heldinnen aus Wagners Opernwerk. Das Stück avancierte zum Publikumserfolg, nicht nur unter Opernfans. Ihre Performances verbinden Elemente aus Oper, Schauspiel und Tanz – immer sind sie humorvoll und poetisch, ernst und überraschend komisch zugleich. Dem Berliner Publikum ist Charlotte Engelkes auch bekannt als Tänzerin von Sasha Waltz & Guests, zuletzt war sie 2018 in der Choreografie „EXODOS“ im radialsystem zu sehen. Charlotte Engelkes, geboren in Stockholm/Schweden, ist eine zeitgenössische Tänzerin, Performancekünstlerin und Regisseurin, deren Spektrum außerdem Schauspiel und Operngesang umfasst. Viele ihrer eigenen Stücke wie „Miss Very Wagner“, „Fräulein Julie – The Musical“ and „SWEET“ tourten weltweit. „GULDET“ (Das Rheingold) wurde zu einem gefragten Familienhit. Engelkes tritt am Königlichen Dramatischen Theater und der Königlichen Oper in Stockholm ebenso wie bei Avantgardefestivals auf. Sie arbeitete u. a. mit Heiner Goebbels, Raimund Hoghe und den Tiger Lillies zusammen. Mit Sasha Waltz arbeitet sie regelmäßig seit 2003.

  • 03.04. - 04.04.

Forecast Festival

Mentorships for Audacious Minds

Eine Einladung zu unterschiedlichen künstlerischen Interventionen und Dialogen: Die vierte Ausgabe von „Forecast“, das international den transdisziplinären Austausch zukunftsweisender künstlerischer Ideen fördert und erstmals im radialsystem stattfindet, endet mit dem zweitägigen „Forecast Festival“. Sechs neue Projekte von Künstler*innen, Musiker*innen, Designer*innen und kreativen Denker*innen werden nach einer neunmonatigen Zusammenarbeit mit renommierten Mentor*innen beim „Forecast Festival“ uraufgeführt. Das Festivalticket finden Sie hier: https://radialsystem.reservix.de/p/reservix/event/1539982 Der Musiker Olli Aarni präsentiert seine Komposition „Ajoittua ja Sijaita“, die vom Alltag in seiner Heimat Finnland inspiriert ist. Die Wissenschaftsjournalistin Caty Enders lädt die Zuhörer*innen ihres Podcasts ein, über Durchbrüche lebensverlängernder Technologien und damit einhergehende ethische Komplikationen nachzudenken. Der Comic-Autor Jonas Madden-Connor realisiert für „Forecast“ eine neue Graphic Novel, eine raffinierte Geschichte über zwei verfeindete Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gemeinsam als Geiseln genommen werden. Die Filmemacherin Renée Mboya hinterfragt den rassistischen, kolonialen Blick einer Shockumentary der 1960er Jahre auf Afrika und verfolgt deren Auswirkungen auf eine ganze Generation afrikanischer Denker*innen. Die Künstlerin und Wissenschaftlerin Sue Montoya untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem steigenden Meeresspiegel und Finanzspekulationen in Miami. Das Design-Kollektiv Parasite 2.0 lädt andere internationale Kollektive dazu ein, an einem performativen Ereignis mitzuwirken, das soziale Beziehungen und räumliche Organisation in Frage stellt. Das zweitägige Festival findet in verschiedenen Teilen des radialsystems statt. Jedes dieser Projekte wurde über neun Monate hinweg in einem intensiven Austausch zwischen Mentee und respektiver*m Mentor*in entwickelt. Jedes Tandem arbeitete außerdem bei Work-Stay-Sessions mit ausgewählten Partnerinstitutionen in New York, Reykjavík, São Paulo, Istanbul, Miami und Berlin zusammen, wo die Künstler*innen die Projekte ebenfalls präsentierten. Die von „Forecast“ geförderten Projekte entwickeln sich häufig nach dem „Forecast Festival“ weiter, werden zu Ausstellungen und Festivals weltweit eingeladen. Das zweitägige Festival im radialsystem bietet die Chance, einen Blick auf die Themen und Ideen der Wegbereiter*innen der nächsten Generation zu werfen. Als internationales Mentorship-Programm und interdisziplinäres Netzwerk für Wissenstransfer unter der künstlerischen Leitung von Freo Majer bietet Forecast Künstler*innen und kreativen Denker*innen aus aller Welt die Möglichkeit, an der Seite namhafter Mentor*innen ihre eigenen Projekte zu verwirklichen. Für die vierte Edition 2019/2020 wurden sechs Mentor*innen unterschiedlicher Disziplinen ausgewählt: die Multimediakünstlerin Candice Breitz (ZAF), der Künstler und Internetaktivisten Paolo Cirio (IT), die Musikerin Okkyung Lee (KOR), der Comic-Autor Anders Nilsen (USA), der Radioreporter Joe Richman (USA) sowie der Designer Jerszy Seymour (UK/CAN). Bis März 2019 waren Künstler*innen und Praktiker*innen aus unterschiedlichsten Feldern aufgerufen, sich mit Projektideen zu bewerben, die für sie relevante Fragestellungen und Perspektiven ausformen. Die sechs Kandidat*innen wurden aus insgesamt 600 Bewerbungen aus 100 Ländern von den Mentor*innen ausgewählt. Die Mentees erhalten neben dem Mentoring ein Produktionsbudget, ein Künstler*innenhonorar und neun Monate Zeit, ihre Ideen zu verwirklichen. Bereits im Januar 2020 beginnt die Ausschreibung für die fünfte Edition von Forecast 2020/21. Forecast ist ein Projekt von Skills e. V. in Kooperation mit dem radialsystem. Forecast wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Tagesticket 8 Euro ermäßigt 6 Euro Festivalticket 14 Euro ermäßigt 10 Euro In englischer Sprache.

Ra
dar

Radial Neues. Von hier und aus aller Welt.